Die Kraft der Berührung und warum sie bei Kieferbeschwerden helfen kann



"Berührung ist essenziell wichtig!"

Im Laufe unseres Lebens werden wir immer wieder mit verschiedenen Menschen, Dingen und Situationen in Kontakt kommen.


Körperliche Berührungen finden über unsere Haut statt. Sie ist die äußere Hülle unseres Körpers und auch unser größtes Sinnesorgan! Wir können über sie fühlen und Schmerz empfinden, sie schützt uns vor Umwelteinflüssen wie Wärme und Kälte und übernimmt zahlreiche weitere Funktionen.


Wieviel Nähe wir als angenehm empfinden, ist für jeden ganz individuell unterschiedlich. Wenn uns ein Fremder ungewollt zu nahe kommt, kann das Angst in uns auslösen. Unser Gehirn schüttet in Folge Stresshormone aus, unser Herz schlägt schneller, wir atmen hastiger und wollen flüchten.

Das ist ein Urinstinkt, unser Fight & Flight Mechanismus, der uns schützen möchte.

Wir können dieser unangenehmen Situation entgegenwirken, indem wir uns zurückziehen oder klar sagen, dass wir gerne mehr Abstand möchten.


Bei gewollter Nähe und Berührungen werden Hormone und Botenstoffe ausgeschüttet, die zwischenmenschliche Bindungen verstärken. Bei einer Geburt und auch beim Stillen wird beispielsweise besonders viel Oxytocin ausgeschüttet und es entsteht eine sehr enge Mutter-Kind-Bindung.

Diese bedingungslose Liebe sichert das Überleben des Kindes.


Und das Beste ist: Dieser geniale Mechanismus funktioniert nicht nur zwischen Mutter und Kind.


"Wohltuende zwischenmenschliche Berührungen senken das Stresslevel, stärken unser Immunsystem und fördern die Entwicklung."

Trotzdem fällt uns Berührung nicht immer leicht. Vielleicht löst Nähe mit anderen Menschen manchmal auch weniger gute Gefühle aus.


Wusstest du, dass uns Tiere helfen können wohltuende Erfahrungen mit Nähe und Berührung zu machen? Das Kuscheln mit einem Haustier tut so gut, beruhigt uns und erleichtert uns oft in Kontakt zu kommen mit anderen Menschen.


In den meisten Körpertherapien (beispielsweise Physiotherapie, Osteopathie, Massage) spielt Berührung eine wesentliche Rolle. Bei vielen medizinischen Therapien besteht direkter Körperkontakt zwischen Therapeut und Patient. Die Hände des Therapeuten berühren den Körper des Patienten. Nicht umsonst nennt man (Körper)Therapien auch BeHANDlung.


Nicht nur der eigentliche Zweck wie zum Beispiel die Lockerung der Muskulatur, sondern auch Stressabbau, Wohlgefühl und dadurch Schmerzreduktion sind dabei Ziele der Therapien. Es entsteht durch den Körperkontakt oft eine persönliche Bindung und ein Vertrauen, was auch emotionale Dinge ins Rollen bringen kann.


All diese positiven Effekte erklären weshalb Berührung sich auch positiv auf Kieferbeschwerden und Craniomandibuläre Dysfunktion(CMD) auswirken kann:


Gewollte persönliche oder therapeutische Berührung reduziert Stress - einen entscheidenden Faktor in der Entstehung einer CMD.
Die meisten Berührungen im Laufe eines Tages kommen übrigens von uns selbst!

Mehrere Hundertmal am Tag berühren wir uns unbewusst im Gesicht und im gesamten Kopfbereich.


Warum nutzen wir das nicht aus, erledigen alltägliche Aufgaben aufmerksam und treten dabei in liebevollen Kontakt mit unserer Haut?


Wie wäre es also bei der nächsten Haarwäsche mal mit einer wohltuenden Kopfmassage? Oder bei der täglichen Gesichtspflege mit einer bewussten Ausstreichung der verspannten Kaumuskulatur oder dem entspannten Glätten der Stirnfalten, die sich vom vielen Grübeln gebildet haben.

Besonders entspannend kann auch eine Fußmassage sein vor dem Zubettgehen: Wärme etwas Lavendel- oder Sesamöl in deinen Händen an, knete deine Fußsohle durch und streiche deine Fußgewölbe aus. Ziehe leicht an deinen Zehen und umkreise die Knöchel. Das aktiviert nicht nur deine Reflexzonen, sondern durchblutet auch wunderbar deine Füße und du kannst mit warmen Füßen gut und entspannt einschlafen.


Auch die Wahl unserer Kleidung ist ein wichtiger Punkt, da sie direkten und ständigen Kontakt mit unserer Haut hat. Hast du auch schon einmal erlebt, dass ein kratzender Pullover oder eine einengende Hose einen den ganzen Tag stören kann?

Ich habe solche Kleidung inzwischen aussortiert.

"Wir sollten es uns wert sein, Kleidung zu tragen, die schön ist, uns steht und in der wir uns rundum wohlfühlen!"

Natürlich dürfen wir auch es voll genießen, wenn wir einen liebevollen Partner haben, der uns gerne mit einer Rückenmassage verwöhnt. Und die Umarmung einer lieben Freundin ist nicht zu ersetzen.

Aber wir müssen nicht darauf warten, sondern können selbst aktiv werden, um uns selbst etwas Gutes zu tun und kraftvolle achtsame Berührung zu erfahren. Also los geht's!

Über die Autorin:

Benisa Bott, Jg 1976, lebt mit Mann und Hund in Mainz/Wiesbaden,

Physiotherapeutin mit ganzheitlicher Sichtweise,

Schwerpunkte im Bereich Entspannung, Yoga und Ayurveda, Ernährung, Kopf- und Kieferschmerzen