ganzheitliche Zahnmedizin - Was ist das überhaupt?



Bevor wir zur ganzheitlichen Zahnmedizin kommen, möchte ich einmal generell auf den Unterschied zwischen Schulmedizin und ganzheitlicher Medizin eingehen.



Was ist Schulmedizin?


Die Schulmedizin umfasst das umfangreiche Studium der Anatomie, Körperchemie, Physiologie, bis hin zur kleinsten Zellebene und den inneren Prozessen in unserem Körper. Das ist natürlich extrem umfangreich, weswegen niemals jemand alles in seiner Gesamtheit wird erfassen können. Daher gibt es in der Medizin die Spezialisierung auf einzelne Fachbereiche.


Das Ziel der Medizin ist es, Krankheiten zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Dazu lernt man im Studium alles über Diagnostik, Untersuchungen und die Auswertung von Befunden, um zu erkennen, was dem Patienten fehlt.


Die Schulmedizin fokussiert sich darauf, Krankheiten zu therapieren, wenn der Patient bereits krank ist. Schulmediziner versuchen die Krankheit zu heilen, rückgängig zu machen und eine Linderung der Beschwerden herbeizuführen - nachdem die bereits Krankheit ausgebrochen ist.


Zentral dafür ist eine gründliche Anamnese, also ein Gesundheitsgespräch, um die Vorgeschichte des Patienten zu erfahren. Daraufhin kann man diagnostische Maßnahmen in die Wege leiten, um herauszufinden, welche Erkrankung vorliegt. Anhand dessen wird eine geeignete Therapie ausgerichtet, z. B. mit der Unterstützung von Medikamenten, Operationen oder anderen Maßnahmen.


Was ist der Unterschied zur ganzheitlichen Medizin?


Was im schulmedizinischen Studium zu kurz kommt, sind Ansätze der alternativen Medizin sowie ganzheitliche Verfahren.


Der Unterschied lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Die Schulmedizin behandelt die Symptome, wenn der Patient bereits erkrankt ist.

  • Die ganzheitliche Medizin (Ayurveda, traditionelle chinesische Medizin, Naturheilverfahren) geht präventiv vor: Die Krankheit soll verhindert werden, bevor sie ausbricht.


Die präventive Behandlung gelingt durch eine sehr viel gründlichere Anamnese des Patienten, bei der sehr detailliert sämtliche Lebensbereiche abgefragt werden, wie Gewohnheiten, Ernährung und andere Lebenseinflüsse des Patienten. Aus diesen Informationen wird gefiltert, was gut für den Patienten ist, was ihn gesund hält und was auf der anderen Seite langfristig verantwortlich sein kann für das Entstehen von Krankheiten.


In der ganzheitlichen Medizin wird also bei den Ursachen und Problemen angesetzt, bevor eine Krankheit entsteht.


Schulmedizin und ganzheitliche Heilmethoden: Kein Gegensatz!


Es gibt keinen Grund, die Schulmedizin zu verteufeln. Nicht jede Krankheit kann allein mit naturheilkundlichen Verfahren behandelt werden. Darum geht es auch nicht.

Ich möchte dir hier gerne erklären, wie man die Schulmedizin und ganzheitliche Verfahren miteinander verbinden kann, um langfristig zu mehr Gesundheit zu erlangen und an der Wurzel des Problems zu beginnen.

Wenn beide Systeme zusammenarbeiten, besonders bei chronischen Erkrankungen, aber auch begleitend zu schweren Krankheiten, kann das sehr wirkungsvoll sein.

Der Trend geht dahin, ganzheitliche Ansätze mit der Schulmedizin zu verbinden. Immer mehr Fachärzte beschäftigen sich mit ganzheitlicher Medizin - sei es die traditionelle chinesische Medizin, Naturheilverfahren oder die Ayurveda-Medizin. Und das ist gut so. Früher waren die beiden Bereiche noch strikt voneinander getrennt. Es gab entweder Naturheilpraktiker oder Schulmediziner. Mittlerweile hat man sich angenähert, denn beide können voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen, um Patienten noch besser und effektiver zu behandeln.


Meine Vision ist es, Zentren zu schaffen, in denen wir uns auf die Gesundheit des Menschen, anstatt auf seine Krankheiten konzentrieren. Es sollte in Zukunft also nicht mehr Krankenhäuser sondern eher Gesundheitshäuser geben.


Was ist ganzheitliche Zahnmedizin?


In der Zahnmedizin ist die Situation ähnlich. Wir können hier nicht auf klassische schulmedizinische Verfahren verzichten, weil sich bestimmte Erkrankungen einfach nicht anders behandeln lassen. Gegen Karies kommen wir nicht mit Naturheilkräutern beispielsweise nicht an. Das gleiche gilt für Paradontitis, also Erkrankung der Zahnhaltevorrichtung - das sind die Strukturen aus Zahnfleisch und Knochen, die den Zahn in der Mundhöhle halten.


Trotzdem ist die ganzheitliche Zahnmedizin ganz wesentlich, um nach den Ursachen zu suchen, besonders dann, wenn der Patient immer wiederkehrende Erkrankungen entwickelt. Es wäre zwecklos, würde man sich hier ausschließlich auf die schulmedizinische Behandlung verlassen und diese einfach ständig wiederholen. Dadurch würden die Symptome zwar temporär behandelt, aber nach einiger Zeit würde das gleiche Problem erneut auftreten.


Sind die schulmedizinischen Möglichkeiten erschöpft, sollte man sich nach Alternativen umsehen, um zu klären, warum das Problem zurückkehrt. Wenn beispielsweise Karies wiederholt auftritt, suchen wir nach den Gründen. Und davon kann es etliche geben: Liegt es an falscher Ernährung? Am Putzverhalten? Ist der Patient Raucher? Wie sind die Lebensumstände des Patienten? Wie sind seine Routinen? Hat er Stress? Liegen andere Krankheiten vor? Gibt es Verdauungsprobleme? Gibt es Probleme mit dem Mikrobiom - also ein Ungleichgewicht in der Darmflora - und sind deswegen vielleicht falsche Bakterien im Mund, weswegen sich Karies schneller ausbreiten kann?


An der Vielzahl der Fragen erkennt man direkt, dass die Ursachenfindung zuweilen an Detektivarbeit erinnert.


Ganzheitliche Therapien kosten Zeit


Die ganzheitliche Therapie kostet Zeit. Und das ist genau das, was unser Gesundheitssystem aktuell leider nicht immer bietet.

Arztpraxen müssen in erster Linie wirtschaftlich arbeiten - um laufende Kosten zu decken und die Mitarbeiter zu bezahlen. So muss eine gewisse Anzahl an Patienten pro Stunde behandelt werden und bestimmte Behandlungen müssen innerhalb eines bestimmten zeitlichen Rahmens bleiben, damit es wirtschaftlich bleibt.


Bislang können Ärzte zeitintensive ganzheitliche Behandlungen nur leisten, indem diese privat abgerechnet werden. Patienten können das oft nicht nachvollziehen, weil sie ja krankenversichert sind.

Hier muss sich definitiv in unserem Gesundheitssystem noch etwas ändern, damit Ärzte sich mehr wichtige Zeit für die Patienten nehmen können.


CMD-Therapie - Ursachenfindung für Zähneknirschen


Die CMD-Therapie (Craniomandibuläre Dysfunktion) ist mein Spezialgebiet und für mich eine Herzensangelegenheit.

CMD bezeichnet Beschwerden im Kauorgan selbst oder in anderen Körperbereichen. Es liegt eine Disbalance zwischen unserem Schädel und Kiefer vor, welche durch Pressen oder Knirschen ausgelöst-, durch das Kauorgan selbst- oder aber in anderen Körperregionen entstehen kann.

Hier wäre es fatal, würde man sich bei der Behandlung ausschließlich auf die Schulmedizin verlassen.

Das Problem äußert sich zwar oftmals im Kiefer, die Ursache muss jedoch nicht immer dort liegen.

In der Regel hat diese Erkrankung viele Ursachen, die nicht durch eine starre Sichtweise auf einen begrenzten Fachbereich ergründet werden können.

Bei einer ganzheitlichen Herangehensweise an dieses Thema fragen wir generell: Warum pressen oder knirschen wir?

Wir betreiben ganzheitliche Ursachenforschung und machen uns auf die Suche. Das bedeutet, wir befassen uns intensiv mit der Anamnese. Dadurch können wir Ursachen erheben, warum der Patient überhaupt knirscht. Gibt es körperliche Disbalancen, die zu einem Ungleichgewicht zwischen Kiefer und Schädel führen? Dafür kann es wiederum zahlreiche Gründe geben, beispielsweise Verdauungsbeschwerden, zurückliegende Operationen, Statikprobleme oder muskuläre Ungleichgewichte.


Ganzheitliche Methoden und Schulmedizin vereint!


Besonders in der CMD Therapie, ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten wichtig. Hier sollten Schulmediziner ihr Ego vergessen und über den Tellerrand schauen. Sowohl die Kooperation mit anderen Schulmedizinern wie HNO-Ärzten, Orthopäden oder Neurologen, als auch Vertretern alternativer Heilmethoden wie Naturheilkundlern, Osteopathen, Chiropraktikern oder Physiotherapeuten kann helfen, eine geeignete Behandlung für den Patienten zu finden.


Hier wird deutlich: wenn man sich als Mediziner auf die starre Sichtweise seines Fachbereichs beschränkt, kann die Therapie oftmals nicht gelingen, weil man Dinge außer acht lässt, die für den Behandlungserfolg manchmal unabdingbar sind.


Ich wünsche mir, dass der Austausch zwischen den Fachbereichen in Zukunft besser funktioniert. Darum habe ich auch meinen Podcast [LINK] ins Leben gerufen. Ich möchte ein Netzwerk bilden, in dem wir Ärzte uns schneller und effektiver gemeinsam austauschen können.


Jetzt kennst du den Unterschied zwischen ganzheitlichen Ansätzen und der Schulmedizin. Wenn du dich darüber hinaus für ganzheitliche Zahnmedizin interessierst, findest du hier im Blog zahlreiche Beiträge zum Thema.

Die passende Podcast Episode zu diesem Thema findest du hier!


Schreib mir auch gerne einen Kommentar, welche Themen dich noch interessieren.


Deine Sarah!